Ein großes Thema, wenn nicht sogar das größte, in der Welt der dicken Qualle ist ESSEN. Seitdem ich ihm Brei gebe hat sich der recht zierliche Körper in einen kleinen dicken Haufen verwandelt, den meine Schwiegereltern auch liebevoll als „Brot“ bezeichnen. Wir dagegen sind viel subtiler und benutzen „dicke Qualle“ oder „Zerstörer“ als Kosenamen. Welche sonderbaren Züge seine Essgewohnheiten annehmen können sieht man bei den einzelnen Mahlzeiten:

Sobald wir mit dem Frühstück fertig sind und ich ihm im Bad gewaschen habe, krabbelt er zielsicher in die Küche zurück, nur um die auf den Boden gefallen Krümel auch noch in die niemals stillstehende Luke zu schieben. Während andere Mütter vielleicht glücklich über diese Ordnungsliebe sind oder sogar annehmen, dass ihr Kind im Haushalt helfen möchte, weiß ich genau, dass Herr Arthur auch noch den letzten Millimeter in seinem Magen stopfen möchte. Unklar ist mir allerdings, ob er es noch nicht weiß oder es sich einfach nicht eingestehen will: Es besitzt ein schwarzes Loch unter den Rippen!

Auch nachdem Herr Arthur seinen Mittagsbrei restlos aufgemümmelt hat, lächzen seine Augen nach meinem Essen und hin und wieder gebe ich mich geschlagen und überlasse es ihm auch noch. Das arme dicke Kind könnte ja verhungern!

Viele Elternratgeber schreiben, dass Babies ein natürliches Sättigungsgefühl haben. Hebammen meinen, dass sich die Kleinen nachts das holen, was sie tagsüber nicht gegessen haben. Das ich nicht lache! Wenn das so wäre, wäre Arthuro eine biologische Vernichtungswaffe! Wenn Babies im Zug geboren werden, dürfen sie ihr lebenlang kostenlos auf dieser Strecke fahren. Gibt es so etwas auch für Essen? Welchen teuflichen Werbevertrag müssen wir unterschreiben, damit wir Rabatte in Supermärkten bekommen und dieses Kind wenigstens bis zur Pubertät einigermaßen gesättigt durchbringen, ohne am Ende unter der Brücke schlafen zu müssen?

Neben dem Gejammer muss ich Arthuro aber auch loben. In dieser aussichtlosen Fress-Situation nimmt er auch Rücksicht auf uns und probiert uns zu unterstützen. So nimmt er beim Picknicken immer öfter reißaus und besucht andere Decken auf der Suche nach etwas Essbarem. Meist ist die Freude der Damen riesengroß wenn unser kleiner Goldjunge ihnen entgegenstürmt, da sie hoffen mit ihm spielen zu können. Einmal habe ich gesehen wie er vor einer Frau hielt, seinen Kopf links auf die Schulter legte und sie anlächelte. Die Gute war hin und weg. Zu dumm nur, dass es Arthuro keineswegs um Kommunikation ging, sondern lediglich um das Stück Kuchen auf ihrem Schoß.

Nur zwei Sachen verwirren ihn zusehends: Erde und Salat.

Als ich eines Morgens das Fenster öffnen wollte, knirschte es verdächtig unter meinen Füßen. Während ich noch verträumt in meinem Bett lag, hatte die dicke Qualle eine halbe Stunde zuvor bereits Freundschaft mit meinem Blumentopf geschlossen. Wie spannend diese Beziehung sein konnte hatte er bereits den Tag zuvor bei einer Freundin erkannt und machte sich mit dieser Erfahrung nun auch bei uns frisch ans Werk. Wenig später wollte ich ihn wickeln und erwartete einen orangenen Stuhl vom Möhrenbrei des Vortages. Ich war total entsetzt, als ich stattdessen eine schwarzbraune Windel vorfand und fragte mich: War das etwa alles Erde? Ich kann und will es, glaube ich, garnicht so genau wissen. Andererseits entpuppte er sich beim Thema Salat als richtige Meckeltante. Jedes Blatt was ich ihm gebe spukt er nach wenigen Minuten angewidert aus, obwohl er auch auf Gras oder Blättern minutenlang herumkaut, bevor er sie wieder in die Freiheit entlässt. In diesen Momenten frage ich mich dann oft: Wie viel von meinem Ehemann steckt in diesem Kind? Eins weiß ich zumindest genau, Diäten kann ich mit diesen beiden Kerlen vergessen.

 


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