Ein Vorteil meines Jobs sind die vielfältigen Eindrücke, die man gewinnt, und die kleinen „Überbleibsel“, die gerne die Runde machen. Gestern war es nun wieder einmal soweit: Die Assistentin vom Chef schickte eine Rundmail, in der es hieß, dass zwei Plüschtiere „eine neue Heimat suchen“. Sofort meldete ich mich und konnte tatsächlich eine niedliche Giraffe abstauben. Als ich sie aber abholte, staunte ich nicht schlecht da sie, entgegen dem Foto, riesig war!

In den folgenden Stunden kamen diverse Kolleginnen in mein Büro, um das Prachttier zu bewundern, streicheln oder knuddeln. Schon jetzt bemerkte ich, der kleine große Racker hat es in sich!

Als ich abends auf dem Heimweg in die U-Bahn stieg, beladen mit Einkäufen, meiner Tasche und einen nicht übersehbaren, über 80 cm großen Tiergefährten, zog ich viele, viele Blicke auf mich bzw. uns. Die meisten Leute, egal ob jung oder alt, grinsten und freuten sich. Eine Dame „flirtete“ regelrecht mit unserem Gustav und plauderte fröhlich vor sich hin. Auch beim Aussteigen rutschten die Fahrenden schnell und amüsiert zusammen, um der jungen Dame mit Riesengiraffe Platz zu machen.

Mein Anschlussbus war leider schon fort, also musste ich laufen. Aber es wurde einer der schönsten Spaziergänge seit Langem. Die Sonne schien, eine frische Brise wehte, ich hatte etwas kuschlig, weiches auf dem Arm und alle Leute, denen ich begegnete lächelten über meine kuriose Erscheinung. Einige sprachen mich an, andere wollten Gustav sogar mitnehmen aber als ich erzählte, dass er für meinen Sohn sei, traten sie sofort einen Schritt zurück und machten ein lautes „Oooohhh!“. Denn wer stielt einem Kind schon sein Spielzeug?

Nach knapp 40 Minuten inniger Gemeinschaft, waren wir Zuhause angekommen. Und wer jetzt denkt, dass Arthuros Augen beim Anblick der Giraffe glitzerten, er vor Freude jubelte und quietschte, der kennt meinen Sohn schlecht. In dezenter Zurückhaltung musterte er das Tier, legte es zur Seite und zog mich zum Buchlesen an den Couchtisch. Jaja, das ist mein kleiner Engel, immer erst etwas skeptisch und lieber erst die Lage abchecken, bevor man sich mittenrein stürzt. Aber darüber bin ich auch sehr froh! Denn ein gesunder Respekt vor Neuem kann nie schaden und beweist eine gute (erste) Selbsteinschätzung. Außerdem weiß ich, dass er spätestens den nächsten Tag Gustav rundum erforschen und ihn in sein Herz schließen wird.

 


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